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Irrtümer über Hufrehe, die deinem Pferd schaden können

Hufrehe ist eine schwerwiegende Erkrankung beim Pferd. Welche verbreiteten Irrtümer Ihrem Pferd schaden können und was wirklich hilft.

Hufrehe beim Pferd
Inhaltsverzeichnis
  1. Was ist Hufrehe – und warum ist sie so gefährlich?
  2. Ursachen und Auslöser von Hufrehe
  3. Symptome: So erkennst du Hufrehe bei deinem Pferd
  4. Belastungsrehe: Wenn ein Bein zu viel tragen muss
  5. Diagnose: So stellt der Tierarzt Hufrehe zweifelsfrei fest
  6. Behandlung: Was tun bei akuter und chronischer Hufrehe?
  7. Hufrehe wird nicht besser: Mögliche Gründe
  8. Nachsorge und Rückfallprävention bei Hufrehe
  9. Häufig gestellte Fragen (FAQ) zur Hufrehe beim Pferd

Was ist Hufrehe – und warum ist sie so gefährlich?

Hufrehe (Laminitis) ist eine der schmerzhaftesten und folgenschwersten Erkrankungen beim Pferd. Sie betrifft die Huflederhaut, das empfindliche Bindegewebe zwischen Hufwand und Hufbein, das bei Hufrehe geschädigt wird. Die Folge: Das Hufbein kann sich absenken oder im schlimmsten Fall durch die Hufsohle durchbrechen – ein medizinischer Notfall.

Warum Hufrehe kein “Saisonproblem” ist

Viele Halter denken bei Hufrehe nur an zu viel Gras im Frühling – doch das ist nur die Spitze des Eisbergs. In Wahrheit ist Hufrehe eine Erkrankung mit unterschiedlichen Ursachen, die ganzjährig auftreten kann – ausgelöst durch Fütterungsfehler, hormonelle Störungen oder Überbelastung.

Wer ist besonders gefährdet?

  • Ponys und leichtfuttrige Rassen
  • Pferde mit Übergewicht
  • Tiere mit Equinem Metabolischem Syndrom (EMS) oder Cushing-Syndrom (PPID)
  • Pferde nach Erkrankungen (Kolik, Geburtskomplikationen, Infektionen)

Ursachen und Auslöser von Hufrehe

Hufrehe ist eine Erkrankung des Hufbeinträgers mit verschiedenen Auslösern. Das bedeutet: Wer die Ursache kennt und kontrolliert, kann Reheschübe oft verhindern oder frühzeitig abfangen.

1. Fütterungsbedingte Hufrehe (Futterrehe)

Futter kann einen Reheschub auslösen, besonders bei Pferden mit einer gestörten Insulinregulation:

  • Zuckerreiche Weiden (junges Gras mit hohem Fruktangehalt)
  • Kraftfutter-Überversorgung
  • Plötzlicher Zugang zu Getreide, Silage oder Fallobst
  • Heulage mit unbekannten Zuckerwerten

Bei einer gestörten Insulinregulation kann zucker- und stärkereiches Futter stark erhöhte Insulinwerte und damit Rehe auslösen. Eine massive Überaufnahme rasch fermentierbarer Kohlenhydrate kann außerdem die Darmflora stören und eine schwere systemische Entzündungsreaktion auslösen.


2. Hormonell bedingte Hufrehe

Eine gestörte Insulinregulation ist eine besonders häufige Grundlage der Hufrehe:

  • Equines Metabolisches Syndrom (EMS): gestörte Insulinregulation, oft verbunden mit Übergewicht
  • Cushing-Syndrom (PPID): Chronische Hormonstörung, meist bei Pferden über 15 Jahren

Wichtig: Diese Pferde können bereits bei normalen Grasverhältnissen oder minimalem Futterüberschuss einen Reheschub entwickeln – ohne Vorwarnung.


3. Mechanische Hufrehe (Belastungsrehe)

Tritt einseitig auf, wenn ein Bein übermäßig belastet wird – z. B. bei:

  • Lahmheit am anderen Bein
  • Dauerhafte Entlastung eines schmerzhaften Beins
  • Verletzungen oder Operationen

Durch die Dauerbelastung staut sich der Blutfluss → Entzündung der Huflederhaut.


4. Toxische Hufrehe

Selten, aber möglich – durch:

  • Gebärmutterentzündungen (Nachgeburtsverhaltung)
  • Vergiftungen (z. B. Schimmel im Futter)
  • Blutvergiftungen nach Kolik oder Infektionen

Die Giftstoffe gelangen über das Blut in die Huflederhaut und lösen die Entzündungsreaktion aus.


5. Stress und Kreislaufprobleme als Verstärker

Stress und Belastungen können den Allgemeinzustand beeinträchtigen. Wie stark sie das Reherisiko beeinflussen, hängt von Grunderkrankungen und weiteren Auslösern ab.

Symptome: So erkennst du Hufrehe bei deinem Pferd

Hufrehe kann schleichend beginnen oder plötzlich auftreten – in beiden Fällen gilt: Je früher erkannt, desto größer die Chance auf vollständige Genesung. Viele Pferdebesitzer übersehen jedoch die ersten Warnzeichen, weil sie oft subtil wirken.

1. Frühe Warnzeichen („subklinische Rehe“)

Diese Phase wird oft nicht erkannt, ist aber entscheidend für die Prävention:

  • Steifheit beim Anlaufen, besonders nach Ruhephasen
  • Kurze, zögerliche Schritte – v. a. auf hartem Boden
  • Pferd wirkt „tragefaul“ oder „unwillig beim Hufgeben“
  • Leichte Pulsation an den Fesselarterien spürbar
  • Geringfügig erhöhte Hufsohlentemperatur

👉 Tipp: Wer sein Pferd gut kennt, erkennt diese feinen Veränderungen im Verhalten schneller.


2. Akute Hufrehe: Deutliche Symptome

Sobald die Entzündung der Huflederhaut stärker ausgeprägt ist, treten folgende Merkmale auf:

  • Klassische Rehehaltung:
    Das Pferd verlagert das Gewicht nach hinten, um die Vorderhufe zu entlasten – oft mit vorgestreckten Vorderbeinen
  • Heißer Huf:
    Der betroffene Huf fühlt sich auffällig warm an
  • Starker Hufpuls:
    Die Fesselarterie pocht stark – besonders an der Innenseite des Fesselgelenks tastbar
  • Schmerzen und Bewegungseinschränkung:
    Das Pferd zeigt Unwillen zu gehen, lahmt deutlich oder steht regungslos
  • Widerstand beim Hufgeben oder Beschlagen

3. Chronische Hufrehe: Langzeitfolgen bei unbehandelter Erkrankung

Wird ein akuter Schub nicht rechtzeitig behandelt, drohen irreversible Schäden:

  • Absenkung oder Rotation des Hufbeins
  • Durchbruch des Hufbeins durch die Sohle
  • Hufverformungen (z. B. Rehe-Ringe, flache Sohle, Hufabsatz)
  • Dauerhafte Lahmheit oder chronische Schmerzen

4. Unterschiedliche Ausprägung je nach Huf

Meist sind die Vorderhufe betroffen, weil sie den Großteil des Körpergewichts tragen. In seltenen Fällen können auch alle vier Hufe oder nur die Hinterhufe betroffen sein – z. B. bei Belastungsrehe.


Belastungsrehe: Wenn ein Bein zu viel tragen muss

Die Belastungsrehe, auch mechanische Hufrehe genannt, entsteht nicht durch Futter oder Stoffwechsel, sondern durch eine Überlastung des Hufes. Sie betrifft meist einen einzelnen Huf und wird deshalb oft zu spät erkannt.

Wie entsteht eine Belastungsrehe?

Die Huflederhaut ist auf den ständigen Wechsel von Belastung und Entlastung angewiesen, damit sie gut durchblutet wird. Kann ein Pferd ein Bein wegen einer schweren Verletzung, einer Fraktur, eines Hufabszesses oder nach einer Operation über längere Zeit nicht belasten, trägt das gegenüberliegende Bein das Gewicht dauerhaft. Die Durchblutung in diesem Stützbein nimmt ab und die Huflederhaut wird geschädigt. Seltener entsteht eine Belastungsrehe durch lange, ungewohnte Arbeit auf hartem Untergrund.

Symptome der Belastungsrehe

  • Wärme und verstärkte Pulsation am Huf des gesunden Stützbeins
  • Das Pferd verlagert das Gewicht auf diesem Bein seltener oder gar nicht mehr
  • Es legt sich auffällig viel hin oder steht sehr unruhig
  • Warnsignal: Das verletzte Bein wird plötzlich wieder stärker belastet, obwohl es noch nicht ausgeheilt ist, weil das Stützbein inzwischen mehr schmerzt

Behandlung und Vorbeugung

Wichtig ist, das Stützbein von Anfang an mitzudenken: Sohlenpolster oder Rehe-Verbände, eine tiefe, weiche Einstreu und eine gute Schmerztherapie für das verletzte Bein, damit das Pferd beide Seiten möglichst gleichmäßig belastet. Tägliche Kontrollen von Wärme und Puls am Stützbein helfen, eine beginnende Rehe früh zu erkennen. Welche Maßnahmen im Einzelfall sinnvoll sind, legt dein Tierarzt gemeinsam mit dem Hufbearbeiter fest.

Die Prognose einer Belastungsrehe ist oft vorsichtig zu stellen, weil die ursprüngliche Verletzung weiter besteht. Je früher sie erkannt wird, desto besser sind die Chancen. Auf die Weide darf ein Pferd nach einer Belastungsrehe erst wieder, wenn der Tierarzt es freigibt.

Diagnose: So stellt der Tierarzt Hufrehe zweifelsfrei fest

Je früher Hufrehe erkannt und behandelt wird, desto besser sind die Heilungschancen. Eine schnelle und präzise Diagnose durch den Tierarzt ist deshalb entscheidend – insbesondere, um die Auslöser zu identifizieren und Folgeerkrankungen zu verhindern.

1. Anamnese und klinische Untersuchung

Zunächst erfolgt die Befragung des Besitzers:

  • Gab es kürzlich Futterumstellungen, Weidegang, Medikamentengaben oder Geburten?
  • Hat das Pferd Vorerkrankungen wie Cushing oder EMS?
  • Zeigt es Verhaltensveränderungen oder Lahmheiten?

Dann wird das Pferd sorgfältig untersucht:

  • Abtasten der Fesselarterien (Pulsation)
  • Temperaturmessung der Hufe
  • Beurteilung der Haltung und Bewegungsfreude
  • Kontrolle auf Schmerzen beim Hufauskratzen oder -geben

2. Hufzange und Sohlendrucktest

Mit einer Hufzange prüft der Tierarzt die Schmerzempfindlichkeit an bestimmten Hufbereichen (v. a. im Zehenbereich). Dieser Test ist sehr aussagekräftig bei akuter Rehe.


3. Röntgenuntersuchung – der Goldstandard

Ein Röntgenbild des Hufs zeigt, ob und wie stark das Hufbein bereits geschädigt ist:

  • Rotation des Hufbeins
  • Absenkung (Senkung des Hufbeins Richtung Sohle)
  • Beurteilung der Hufbeinspitze und Sohlendicke

Das Röntgen hilft auch, den Verlauf der Erkrankung zu dokumentieren und den Therapieplan individuell anzupassen.


4. Blutuntersuchung (bei Verdacht auf Stoffwechselstörungen)

  • Insulin- und Glukosespiegel: Hinweise auf EMS oder Insulinresistenz
  • ACTH-Wert: Nachweis von Cushing (PPID)
  • Entzündungsparameter (bei toxisch bedingter Rehe)

5. Ausschluss anderer Lahmheitsursachen

Gerade bei schleichenden Symptomen müssen auch andere Ursachen wie Hufabszesse, Sohlenprellungen oder andere orthopädische Probleme ausgeschlossen werden.

Behandlung: Was tun bei akuter und chronischer Hufrehe?

Eine Hufrehe ist ein medizinischer Notfall. Die Behandlung zielt darauf ab, Schmerzen zu lindern, die Entzündung zu stoppen und die Hufmechanik zu stabilisieren, bevor bleibende Schäden entstehen. Je früher die Therapie beginnt, desto besser die Heilungschancen.


1. Sofortmaßnahmen bei Verdacht auf akute Rehe

  • Bewegung sofort einstellen: Pferd ruhigstellen, Boxenruhe verordnen
  • Weicher Untergrund: Tiefe Einstreu (Stroh oder Sägespäne), um Druck vom Huf zu nehmen
  • Kühlen der Hufe: Mit Wasser, Crushed Ice oder speziellen Kühlgamaschen – ideal in den ersten 48 Stunden

2. Entzündungshemmende Medikamente

  • Phenylbutazon oder andere nicht-steroidale Entzündungshemmer zur Schmerzlinderung und Eindämmung der Entzündung
  • Weitere Medikamente kommen nur bei entsprechender tierärztlicher Indikation infrage. Heparin hemmt die Blutgerinnung und ist kein gefäßerweiterndes Standardmittel gegen Hufrehe.

3. Diät und Futterumstellung

  • Sofortiger Entzug von Kraftfutter, Getreide und Weidegras
  • Raufutter in kontrollierter Menge, möglichst zucker- und stärkearm (analysiertes Heu!)
  • In EMS-/Cushing-Fällen: gezielte Futterpläne mit stoffwechselangepassten Ergänzern

4. Hufpflege und orthopädische Maßnahmen

Ein erfahrener Hufschmied oder Huforthopäde ist nun unerlässlich:

  • Entlastende Korrektur der Hufstellung
  • In akuten Fällen: Polster oder Reheplatten zur Druckverteilung
  • Bei chronischer Rehe: ggf. Spezialbeschläge oder therapeutische Barhufkorrektur

👉 Eine gute Zusammenarbeit zwischen Tierarzt und Hufbearbeiter ist hier der Schlüssel zum Erfolg.


5. Langfristige Betreuung bei chronischer Hufrehe

  • Regelmäßige Röntgenkontrollen, um Fortschritte zu dokumentieren
  • Stoffwechselunterstützende Fütterung, idealerweise mit Blutwertkontrolle
  • Wiederaufbau nach Rehe: Schrittweise Bewegung, angepasst an die Belastbarkeit des Pferdes

6. Behandlung der Grunderkrankung

Wenn EMS oder Cushing vorliegt, muss die Grunderkrankung gezielt behandelt werden, je nach Befund diätetisch und gegebenenfalls medikamentös:

  • Cushing: Behandlung mit Pergolid (Prascend®)
  • EMS: Gewichtsreduktion, gezielte Futterumstellung und Bewegung erst nach tierärztlicher Freigabe

Hufrehe wird nicht besser: Mögliche Gründe

Die Heilung einer Hufrehe braucht Zeit. Wenn die Schmerzen trotz Behandlung nicht nachlassen oder sich der Zustand verschlechtert, kontaktiere sofort deinen Tierarzt zur erneuten Beurteilung. Häufige Gründe sind:

  • Der Auslöser besteht weiter: Ein unerkanntes Equines Metabolisches Syndrom oder Cushing (PPID), zuckerreiches Heu, Leckerlis oder heimlicher Grasverbiss halten die Entzündung am Laufen.
  • Das Hufbein hat sich gesenkt oder gedreht: Dann reichen Ruhe und Medikamente nicht, die Hufmechanik muss gezielt korrigiert werden. Röntgenbilder zeigen, wie die Lage ist.
  • Ein Hufabszess hat sich gebildet: Abszesse sind eine häufige Komplikation nach einem Reheschub und verursachen starke, oft einseitige Schmerzen.
  • Zu frühe Belastung: Wird das Pferd zu schnell wieder bewegt oder auf hartem Boden geführt, kann die Huflederhaut erneut gereizt werden.
  • Schmerzmittel verschleiern den Zustand: Ein Pferd, das unter Medikamenten gut läuft, ist nicht automatisch ausgeheilt.
  • Eine andere Ursache: Manchmal steckt hinter der Lahmheit zusätzlich ein anderes Problem, das erst bei genauerer Untersuchung auffällt.

Die Pulsation geht nicht weg

Bleibt der Hufpuls über längere Zeit deutlich spürbar, kann das auf einen weiterhin aktiven schmerzhaften Prozess im Huf hinweisen, etwa durch einen fortbestehenden Reheprozess oder einen Abszess. Warte dann nicht ab, sondern lass dein Pferd erneut untersuchen.

Was jetzt hilft

Sinnvoll sind meist neue Röntgenaufnahmen, eine Blutuntersuchung auf Insulin und ACTH, eine Analyse des Heus und eine enge Abstimmung zwischen Tierarzt und Hufbearbeiter. So lässt sich herausfinden, an welcher Stelle der Heilungsprozess hängt.

Nachsorge und Rückfallprävention bei Hufrehe

Ein Reheschub mag überstanden sein – doch die eigentliche Arbeit beginnt jetzt: Rückfälle sind häufig, besonders wenn die Auslöser nicht dauerhaft beseitigt werden. Eine strukturierte Nachsorge und konsequente Haltung sind entscheidend, um dein Pferd langfristig gesund zu erhalten.


1. Langsame und kontrollierte Bewegung

  • Nach ausreichender Stabilisierung und tierärztlicher Freigabe kann kontrollierte Bewegung sinnvoll sein für die Durchblutung und den Heilungsprozess.
  • Beginne erst nach tierärztlicher Freigabe mit Führtraining auf weichem Boden – keine Belastung auf hartem Untergrund.
  • Kein Koppelgang ohne tierärztliches Okay!

2. Regelmäßige Hufpflege und Kontrollen

  • Alle 4–6 Wochen Hufkorrektur durch einen Rehe-erfahrenen Hufbearbeiter
  • Röntgenkontrollen bei chronischen Fällen – mindestens 1–2 Mal jährlich
  • Hufe auf Temperatur, Pulsation und Formveränderung regelmäßig selbst prüfen

3. Dauerhafte Futterumstellung

  • Analysiertes, zucker- und stärkearmes Heu nach individuellem Fütterungsplan anbieten
  • Kein Kraftfutter, keine Leckerlis mit Melasse oder Getreide
  • Evtl. Maulkorb bei Weidegang oder kompletter Weideverzicht, besonders bei EMS/Cushing-Pferden

💡 Tipp: Fütterungstagebuch führen, besonders bei Wetterumschwüngen und Fruktan-gefährlichen Tagen.


4. Stoffwechsel dauerhaft unterstützen

  • Bei EMS: Gewichtskontrolle und ein tierärztlich abgestimmter Fütterungsplan
  • Bei Cushing: Medikation mit Pergolid regelmäßig anpassen lassen
  • Jährliche Blutuntersuchungen zur Kontrolle von ACTH und Insulinwerten

5. Vermeide diese Rehe-Risiken im Alltag

  • Plötzlicher Weidezugang im Frühling oder nach Regen
  • „Leckerlis“ ohne Kontrolle der Inhaltsstoffe
  • Zu frühe Bewegung vor ausreichender Stabilisierung des Hufs
  • Falscher Beschlag oder Hufwinkel
  • Stress und Belastung (Turnier, Umstallung, Transporte) ohne Vorbereitung

6. Monitoring: Frühwarnsystem etablieren

  • Tägliche Hufkontrolle (Temperatur, Puls, Bewegungsfreude)
  • Haltungsprotokolle, Fütterungsdokumentation, Fotodokumentation der Hufe
  • Bei Auffälligkeiten: sofort Tierarzt oder Hufbearbeiter kontaktieren

Häufig gestellte Fragen (FAQ) zur Hufrehe beim Pferd

1. Was genau ist Hufrehe beim Pferd?

Hufrehe ist eine schmerzhafte Entzündung der Huflederhaut, bei der sich das Hufbein vom Hufhorn lösen kann. Im schlimmsten Fall senkt sich das Hufbein ab oder durchstößt sogar die Hufsohle.

2. Was sind typische Auslöser von Hufrehe?

Zu den häufigsten Ursachen gehören zuckerreiches Futter (Fruktan), plötzlicher Weidegang, Cushing-Syndrom, Equines Metabolisches Syndrom (EMS), Vergiftungen und Überlastung eines Beines.

3. Woran erkenne ich die ersten Anzeichen einer Hufrehe?

Typisch sind eine Rehehaltung (nach hinten gelehnt), steifer Gang, warme Hufe, erhöhter Hufpuls sowie Unwilligkeit beim Gehen oder Hufegeben.

4. Was mache ich im akuten Rehefall zuerst?

Bewegung sofort stoppen, Pferd in eine weiche, tiefe Einstreu stellen und die Hufe kühlen. Dann schnellstmöglich den Tierarzt rufen – es ist ein Notfall!

5. Kann man Hufrehe vollständig heilen?

Akute Hufrehe kann vollständig ausheilen – vorausgesetzt, sie wird frühzeitig behandelt. Bei chronischer Rehe bleiben jedoch oft dauerhafte Veränderungen im Huf zurück.

6. Wie wird Hufrehe diagnostiziert?

Durch klinische Untersuchung, Hufzangentest, Röntgenaufnahmen und bei Bedarf Blutuntersuchungen (z. B. ACTH, Insulin, Glukose).

7. Welche Pferde sind besonders gefährdet?

Ponys, übergewichtige Pferde, leichtfuttrige Rassen, EMS- oder Cushing-Patienten sowie Pferde mit wenig Bewegung oder unkontrolliertem Futterzugang.

8. Ist Weidegang mit Hufrehe überhaupt noch möglich?

Erst nach tierärztlicher Freigabe und abhängig von Insulinregulation und Hufzustand. Manche Pferde müssen dauerhaft auf Weidegang verzichten. Auch morgens kann der Zuckergehalt des Grases hoch sein, besonders nach kalten Nächten; ein Weidemaulkorb macht den Weidegang nicht automatisch sicher.

9. Wie kann ich Hufrehe dauerhaft verhindern?

Durch kontrollierte Fütterung, Gewichtskontrolle, regelmäßige Hufpflege, gutes Haltungsmanagement und frühzeitige Behandlung von Stoffwechselerkrankungen.

10. Welche Rolle spielt der Hufbearbeiter bei der Rehetherapie?

Er ist neben dem Tierarzt eine zentrale Figur: Korrekte Stellung, entlastende Maßnahmen und regelmäßige Kontrolle entscheiden über Verlauf und Lebensqualität des Pferdes.

11. Wie lange braucht ein Pferd mit Hufrehe Boxenruhe?

Eine feste Anzahl an Tagen gibt es nicht. In der akuten Phase ist strikte Ruhe auf tiefer, weicher Einstreu wichtig, oft über mehrere Wochen. Entscheidend ist der Verlauf: Erst wenn dein Pferd ohne Schmerzmittel entspannt steht, Wärme und Puls im Huf sich normalisiert haben und das Röntgenbild stabil ist, beginnt meist das vorsichtige Führen im Schritt auf weichem Boden. Wann und wie die Bewegung gesteigert wird, legt dein Tierarzt fest.

12. Kann Hufrehe nur an einem Huf oder an allen vier Hufen auftreten?

Ja, beides ist möglich. Am häufigsten sind beide Vorderhufe betroffen. Rehe an nur einem Huf spricht oft für eine Belastungsrehe, allerdings sind Wärme und Pulsation an einem einzelnen Huf auch typisch für einen Hufabszess. Sind alle vier Hufe betroffen, ist die typische Rehehaltung schwerer zu erkennen: Die Pferde stehen mit untergestellten Beinen, wollen sich kaum bewegen oder liegen viel. In jedem Fall gehört das Pferd in tierärztliche Hände.

13. Was ist eine subklinische Hufrehe?

Als subklinisch bezeichnet man eine Rehe, die ohne deutliche Lahmheit abläuft. Hinweise können Rehe-Ringe sein, die an den Trachten weiter auseinanderliegen als an der Zehe, eine verbreiterte oder rötlich verfärbte weiße Linie, ein fühliger Gang auf Schotter oder ein immer wieder erhöhter Hufpuls. Häufig steckt eine Stoffwechselstörung wie EMS oder PPID dahinter. Wer solche Zeichen bemerkt, sollte die Ursache abklären lassen, bevor es zu einem akuten Schub kommt.

14. Welche Lebenserwartung hat ein Pferd nach einer Hufrehe?

Viele Pferde leben nach einer Hufrehe noch viele Jahre, wenn die Ursache erkannt und dauerhaft kontrolliert wird. Ungünstiger ist die Prognose bei starker Rotation oder Absenkung des Hufbeins, einem Durchbruch durch die Sohle, Schmerzen, die sich trotz Therapie nicht lindern lassen, und Pferden, die kaum noch aufstehen. Ob und wann ein Pferd erlöst werden sollte, ist eine Entscheidung, die du gemeinsam mit deinem Tierarzt anhand der Lebensqualität und Schmerzsituation triffst.


Weil mir das Wohl Ihres Pferdes am Herzen liegt:

Bei Fragen zu Hufrehe bei Ihrem Pferd, kontaktieren Sie mich gerne.

Ihr Dr. vet. Henning v. Lützow

Dr. med. vet. Henning v. Lützow
Über den Autor

Dr. med. vet. Henning v. Lützow

Tierarzt mit eigener Praxis seit 1993, heute in Pfaffenhofen an der Ilm. Er schreibt das Tierlexikon, damit Tierhalter Symptome früh einordnen können und wissen, wann eine Untersuchung nötig ist.

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Lassen Sie es untersuchen, bevor aus kleinen Beschwerden ein großes Problem wird. Dr. med. vet. Henning v. Lützow nimmt sich Zeit für Sie und Ihr Tier.